Geschichten aus dem Alltag einer Hüttenwirtin
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Tipps für Hüttenwirtsleute plus Beratung 

 

Blog V: Ein Ruhetag muss manchmal sein 

So, den meistbesuchten Teil des Sommers haben wir überstanden. Seit 3 Jahren legen wir an den Montagen nach Maria Himmelfahrt 3 Tage Ruhe ein. Komplett geschlossen für Hausgäste und Tagesgäste. Gestern war ein Gast in der Stube (auch wenn der Zaun zu ist und ein großes Schild mit der Aufschrift ‚Ruhetag bis 22.08’ vor dem Eingang steht), um zu fragen: „Seid ihr den ganzen Sommer zu?“. Nah, natürlich nicht. Nur zur Feier, dass wir die größte Gästewelle überstanden haben. Die ersten fast 1500 Nächtigungen seit Juni sind „in der Tasche“; dazu hunderte von Tagesgäste, vor allem auf unsere Sonnenterrasse. Jetzt kommt eine etwas ruhigere Periode, die (Schul-)Ferien gehen langsam zu Ende und im Herbst sind vor allem Rentner unterwegs. Lässiges Volk, sie haben Zeit, und das spürt man. Sie sitzen ruhig auf der Terrasse und wenn der Kaiserschmarrn nicht innerhalb von 10 Minuten kommt, bleibt es trotzdem ruhig auf der Terrasse. Kein „Chefin!“ oder „Hallo!“ (ich sage immer, ich heiße nicht „Hallo“, ich heiße „Laura“). Die nächsten Wochen genieße ich es, auf der Terrasse zu stehen, zu plaudern und wieder mal meine Geschichte, wie ich in die Berge komme, zu erzählen. 

Während der Hauptferien ist es manchmal anders. Wenn die Linsen mit Knödel und Speck nicht innerhalb von 10 Minuten auf dem Tisch stehen, werden die Gäste unruhig. Ungeachtet der Tatsache, dass unsere Kaiserschmarrn etwa 20 Minuten brauchen, weil wir sie frisch machen. Das Verständnis für die Zubereitungszeit wird immer weniger. Manchmal verliere ich auch die Nerven und sage den Gästen: „Wir sind kein Mc Donalds“. Das liefert mir dann wieder eine schlechte Bewertung auf Google, aber das macht mir wenig.

Ich kann es mir so vorstellen: Die meisten arbeiten 48 Wochen pro Jahr mit 5 Tagen pro Woche für einen Chef, der ihnen im Rücken sitzt und haben dazu ein Haushalt mit Kindern und Partner zu schmeißen. In den freien Tagen in den Bergen muss das Essen dann zumindest schnell kommen - Urlaubsstress nenne ich das. Wenn nicht, dann spielt der Gast gerne mal Chef und mault mich und mein Personal an: „Wo bleibt mein Essen?“. Die meisten verstehen auch nicht, dass es noch 60 weitere Personen auf der Terrasse gibt, die bewirtet werden müssen - sie sehen nur ihr eigenes Bedürfnis. Auf diese 1% der Tagesgäste verzichte ich gerne.

Es ist auch witzig zu sehen, dass manche Gäste komplett überfordert sind, wenn ich sie erzähle, dass wir kein Cola haben. 

„Was? Keine Cola? Ein Spezi dann?“

- „Nein, gibt es natürlich auch nicht.“

„Eine Fanta?“

- „Nein?“ 

„Was kann ich denn dann jetzt trinken?“

Wirklich, manchen haben keine Ahnung, was sie trinken möchten. Die meisten trinken Soda Zitrone oder Almdudler, manchen trinken nichts, weil ihnen nichts anderes einfällt.

Vor kurzem waren zwei Familien mit kleinen Kinder auf der Terrasse. Ob Sie auch etwas essen möchten, frage ich sie.

„Ähm… es gibt keine Pommes und kein Schnitzel, was sollen unsere Kinder dann essen?“ 

Sie wollten deswegen eigentlich wieder gehen. Ich habe erzählt, dass ich auch 3 kleine Kinder habe und wir gut ohne Pommes und Schnitzel auskommen.

Die Männer waren zufrieden mit einem kühlen Bier und hatten sich schon auf einen saftigen Schweinsbraten gefreut. Dann haben die Mütter nochmal in die Karte geschaut und für die Kinder Käsekrainer, Frankfurter, Frittatensuppen und Kaiserschmarr’n bestellt und für sich selber einen Salat. Zum Abschluss ein Eis und einen Strudel. Im Nachhinein war es eine lustige Truppe auf unsere Terrasse. 

Auch ein Ehepaar wollte letztens etwas bestellen. Die Frage an mich war: „Können sie die Kaspressknödelsuppe auch auf zwei Teller aufteilen?“

Ich bin gastfreundlich und teile vieles für unsere Gäste auf zwei Teller auf, aber eine Suppe mit einem Kaspressknödel geht mir zu weit. Ich habe vorgeschlagen, dass sie dann zwei Löffel nehmen.

Auf einer Alm, umringt von grünen Wiesen und farbigen Blumen, einem herrlichen Bergpanorama mit grasended Kühe, gemeinsam eine Suppe löffeln. Romantischer geht es doch nicht!

Blog IV: Ständig erreichbar - "Always on" !

Heute Morgen war es mal wieder soweit. Ich saß gemütlich mit unserem jüngsten Sohn in der Stube und um 7.02 Uhr klingelte das Telefon. „Guten Morgen! Ich möchte gerne reservieren für…. Juli!“ Muss das so früh am Morgen sein? Ich habe aber auch schon früher am Morgen Telefonate über Reservierungen geführt. Nein, keine Reservierung für den gleichen Tag, sondern erst in 3 Monaten. Oder abends ganz spät gegen 23.00 Uhr wird erwartet, dass ich noch telefonisch erreichbar bin. Vielleicht sollte ich um 6.00 Uhr einfach nicht ans Telefon gehen, im Halbschlaf in meinen Reservierungskalender schauend.

Man muss verstehen, dass ich auf unserer Hütte die Reservierungen nebenbei mache. Morgens bin ich mit unseren Kindern beschäftigt oder bereite das Frühstück vor. Anschließend fahre ich ins Tal, um unseren Sohn in den Kindergarten zu bringen und dann bin ich bis in den frühen Abendstunden im Service, mit meist nur einer kurzen Pause am Nachmittag.

Manche Leute lassen das Telefon ewig hintereinander klingeln und rufen 3x an innerhalb 5 Minuten, ich denke dann… „Wo brennt‘s?“. Dann geht es um eine Anfrage für einen Aufenthalt in 3 Monaten. Ich freue mich über so viele Anfragen für unsere Hütte, aber die Zeiten sind manchmal komisch. Manche Leute sind wirklich pampig, wenn ich später zurückrufe. Oft werde ich halb angeschrien: „Ihr seid nicht erreichbar, weder Festnetz noch Mobilfunknummer!!“  

Immerhin bleiben das Handy und das Festnetz Telefon in der Stube. Im ersten Jahr hatten wir das Festnetz Telefon noch in unserem Pächterzimmer, aber das haben wir geändert. Zum Glück… Sonst hat das Telefon um 23.30 Uhr wieder geklingelt. Ich versuche so viel wie möglich tagsüber ans Telefon zu gehen. Wenn ich es aber nicht schaffe, vor allem an den Wochenenden, rufe ich am Abend alle zurück. Anfragen per E-Mail versuche ich innerhalb eines Tages zu beantworten, was ich leider nicht immer schaffe.

Wenn ich nicht innerhalb von einem Tag reagiere, klingelt entweder das Telefon oder bekomme ich folgende E-Mails:

Sa 12.01.2019, 17:36

liebe laura, ich wollte nur kurz nachfragen, ob du unsere Bestätigung für das Standard DZ von 7-9.02.2019 bekommen hast.

danke leiben Gruß (...)

Am 11.01.2019 um 21:52 schrieb (…)

guten abend laura,

super das es klappt, dann bestätige ich gerne das Standard DZ für 7-9.02.. sollen wir eine Anzahlung machen?

lg (..)

oder

Von: (….)
Gesendet: Freitag, 24. Mai 2019 19:32
An: grazerhuette@outlook.com
Betreff: Anfrage

Liebes Hüttenteam,

ich hatte vor einigen Tagen über die Webseite angefragt, ob Sie am 15.6.19 zwei Übernachtungsplätze auf der Grazer Hütte freihaben und wollte höflich nachfragen, ob Sie die Anfrage bekommen haben.

Viele Grüße,

(…)

 Datum: Do 23 Mai 2019 07:28:49 CEST

Vorname: (…)

Nachname: (…)

E-Mail: (…)

Telefon: (…)

Nachricht: Liebes Hüttenteam,
ich würde gerne am 15.6.2019 zwei Übernachtungsplätze (Zimmer oder Lager) reservieren. Ist das möglich?
Viele Grüße,
(….)

Zwischen den beiden E-Mails lag genau eine Nacht ! Der Wahnsinn heutzutage mit der ständigen Erreichbarkeit bereitet uns sowie unseren potenziellen Gästen stress.

Auf den Sozialen Medien, wie Facebook und Instagram poste ich nur, wenn ich Zeit übrighabe und das ist derzeit wenig. Empfohlene Marketing Strategien, wie Postings jeden 2. Tag oder mindestens wöchentlich etwas posten, verfolge ich nicht.

Wenn meine Kinder etwas größer sind, schaffe ich es vielleicht um ab 05.00 Uhr morgens bis 23.30 Uhr abends die „Rezeption“ zu besetzen und mit einem freundlichen „Grüß Gott, wie kann ich Ihnen helfen?“ das Telefon abzuheben...

BLOG III: Start Sommersaison 2019 

Die Sommersaison hat bei uns angefangen auf der Grazerhütte, Tauplitzalm.

Ich liebe die Sommersaison, mehr noch wie die Wintersaison. Es ist wunderschön einzuschlafen - schauend auf die Alm, kein Mensch weit und breit – und am frühen Morgen durch das Läuten der Kuhglocken aufzuwachen und den Sonnenaufgang zu erleben. Unsere Kinder, die rundum der Hütte mit Steinen und Holz und al dem was ein Kind im Hüttenumfeld entdeckt, spielen. (Fast) Keine Autos. Tagsüber die Gäste bewirten, ins Gespräch kommen, dafür sorgen das alles läuft. Die Ruhe heroben, die wunderbare Natur mit ihrer Flora und Fauna und… diesen Sommer der Schnee.

Seit Ende Mai hatten wir einige Hausgäste. Mein Mann hat 10 paar Schneeschuhe organisiert, damit die Gäste „wandern“ gehen können. Einige Gäste hatten sogar die ganze Skitour Ausrüstung dabei. Nach ihrer Wanderung liegend auf unserer Sonnenterrasse, die Sonne genießen mit einem kühlen Getränk und am Abend werden Spiele gespielt. Bloß nicht immer die Handys dabei.

Leider mussten wir feststellen, dass die Sommersaison für uns zu früh angefangen hat. Wir haben einige Stornierungen oder Gäste, die ihren Aufenthalt verschieben möchten. Sie möchten gerne die 6-Seen-Wanderung wandern, aber das ist derzeit noch nicht möglich. Wir verstehen das. Gäste fragen uns wie es heroben aussieht. Ich bekomme jetzt schon E-Mails von unseren Gästen, die z.B. fragen wie es mit Wandern am 22. Juni aussieht! Das ist noch weit weg, aber bis dahin kann man sicher überall wandern, soweit ich das anhand der jetzigen Temperaturen von heroben beurteilen kann.

Die richtige Hüttensaison wird sich jedenfalls um ein paar Wochen verzögern. Ich denke dabei an andere höher gelegene Hütten, die durch die Schneelage noch gar nicht öffnen können. Eine Katastrophe für die Hüttenwirte: Reparaturen, die nicht durchgeführt werden können und eine Terminplanung für Lieferungen, die nicht eingehalten werden kann. Personal, das man mitteilen muss, dass die Saison später anfängt oder im schlimmsten Fall absagen muss. Fixkosten, die weiterlaufen ohne Einnahmen und dann damit rechnen, dass es ein Ansturm auf die Berge gibt, sobald das Wetter es zulässt. Ist jede Hütte darauf vorbereitet… Bei uns ist der Sommerkalender mit Nächtigungen voller wie je zuvor! Die Berge boomen!

Wir haben entschieden ein paar Tage zu schließen und erst wieder am 13. Juni zu öffnen. Hoffentlich können die Ski dann Zuhause bleiben!

BLOG II: Immer Sonnenschein auf der Alm ! 

Bei schlechtem Wetter im Sommer ist morgens mit Anrufen zu rechnen. Leute, die eine Nacht auf der Hütte gebucht haben, sagen bei Regen oder kaltem Wetter ab. Wenn man einen Urlaub auf Mallorca gebucht hat, fährt man doch trotzdem hin, auch wenn es regnet oder kalt ist? Man hat es doch geplant (und alles schon bezahlt)? Bei einer Hotelreservierung muss man standardmäßig im Voraus bezahlen oder die Kreditkartendaten übermitteln. Da kann man auch nicht kostenlos am Vortag der Anreise anrufen, um zu sagen, dass man Aufgrund von starkem regnen, kälte oder starkem Wind nicht anreisen kann

Die Leute wünschen sich im Urlaub auf der Alm immer schönes Wetter und erwarten, dass sie bei schlechtem Wetter kostenlos stornieren können. Sie scheinen zu denken, dass das bei einer Almhütte kein Problem ist…

Nach der ersten Sommersaison haben wir schnell festgestellt, dass wir bei jeder Reservierung standardmäßig eine Anzahlung verlangen müssen. Es geht bei uns nur um einen kleinen Betrag in Höhe von € 50,- oder € 100,-. Aber egal ob Anzahlung oder nicht, bei schlechtem Wetter wird regelmäßig storniert.

Am Wochenende vom 18. und 19. August 2017 haben alle Gäste storniert (mit oder ohne Anzahlung) – nur zwei Gäste, die eine Anzahlung geleistet hatten, sind aufgetaucht. Das alles nur weil der Samstag verregnet war. Bemerkenswert, denn die Hütte wäre sonst mehr als die Hälfte voll gewesen.

Die Leute verstehen meistens nicht, dass wir auch Fixkosten haben: Personal, Pacht, Strom, Gas, Wasser, Licht. Diese Kosten haben wir immer, egal ob wir Gäste haben oder nicht. Die Logistik unserer Hütte ist komplex, wir haben keinen Supermarkt in der Nähe und das Personal lebt die ganze Saison über bei uns auf der Hütte und bekommt sowohl bei schlechtem als auch bei schönem Wetter ein fixes Gehalt.

Unsere Stornobedingungen sind die allgemeinen Stornobedingungen der österreichischen Hotellerie.

Ein Gast schickte mir im August 2016 folgendes:

„Hallo Laura,

hab mir jetzt nochmals die Stornobedingungen durchgelesen, und muss sagen, sie sind sehr streng gefasst. Ich verstehe natürlich, dass ihr Euch absichern wollt, aber die Stornobedingungen der österreichischen Hotellerie kann ich verstehen, wenn ich im Hotel bin. Für eine Berghütte, wo ich bei Schlechtwetter nichts unternehmen kann und nur in der Hütte sitzen kann, kann ich sie nicht nachvollziehen.“

Huch!? Was kann dieser Herr im Hotel unternehmen, was bei uns nicht möglich ist? Der Betreffende hat auf der Hütte die gleichen Möglichkeiten wie im Hotel, es sei denn er hat ein 5-Sterne-Wellnesshotel gebucht.

Eine weitere nette E-Mail, die wir im Sommer 2015 erhalten haben:

„Liebe Frau Münzberg!

Nun soll das Wetter genau an den drei Tagen, an denen ich eine schöne Zeit mit den Kindern in den Bergen verbringen will, beschi…. werden. Sagt zumindest Bergfex.at. Frage: Könnten wir umbuchen auf die Folgetage? Also ANKUNFT am Mittwoch, 19. August und Abreise am Freitag, 21. August? Oder sind da die beiden Doppelzimmer schon belegt? JAMMER!!!! Ich ärgere mich so. Die ganze Zeit schwitzen wir wie in der Sahara, und ausgerechnet dann, wenn ich für ein paar Tage Urlaub machen will, wird das Wetter eine Zumutung. Dabei wollte ich den Kindern eine schöne Zeit gönnen, mein Mann und ich haben uns grad getrennt. Das ist doch jetzt echt mieses Karma. Sie haben ja Erfahrung, sie leben dort. Wie – glauben sie – wird das Wetter wirklich? Können wir mit den Kindern wandern gehen? Mit ziemlich verzweifelten Grüßen aus dem 38 Grad heißen (..) (das ist doch alles ein schlechter Witz, oder???).“

Danke für die Nachricht - das ist der Segen oder das Leid unserer Informationsflut. Es gab einmal einen klugen Menschen der gesagt hat: "Herr gib mir die Kraft Dinge zu verändern die ich zu Ändern im Stande bin, gib mir die Gelassenheit Dinge zu akzeptieren die ich nicht ändern kann und Herr, gib mir die Weisheit das Eine vom Andern zu unterscheiden. Damit will ich sagen dass auf 1630 müNN solche bergfexcharts heroben in der Realität schon ohne einen einzigen Tropfen blieben.

Heute trüben wir uns manchmal diese Vorfreude auf einen Urlaub aufgrund einer 9 Tagesprognose aus dem Internet ein und sind so gestresst es könnte nicht perfekt werden obwohl das nur eine Prognose ist die mit x Prozent sowieso nicht der Realität entspricht. Ich hatte bei Regenwetter schon die tollsten Kissenschlachten, Spieleabende und Rotweingespräche auf unsere Hütte oder als Kind im Matsch bis zu den Knien die größte Freude.

Ich sage immer, wenn ich das Wetter vorhersagen könnte, würde ich als Meteorologe im Fernsehen arbeiten. Für jeden Gast wünsche ich mir, dass die Sonne scheint und er auf der Terrasse frühstücken kann, aber das ist leider nicht immer möglich. Ich würde mir etwas mehr Verständnis dafür wünschen, dass die Sonne auf der Alm nicht immer scheint und ich sie nicht herzaubern kann, genauso wie es im Tal auch manchmal regnet.

PS Mit die Gäste ist alles gut verlaufen, kaum regen und die Kinder hatten eine wunderbare Hüttenerlebnis bei uns !


BLOG I: Alles, außer gewöhnlich

Wie bist du hier gelandet? Fühlst du dich als Flachländer in den Bergen wohl? Bist du Schweizerin/Dänin/Deutsche? Bist du das Au-pair-Mädchen? Ist das dein Sommerjob? Oh, du bist bestimmt der Liebe wegen hergekommen?“ Alles Fragen, die mir in den letzten Jahren gestellt wurden. Es ist wohl etwas Besonderes, dass eine Niederländerin zusammen mit ihrem deutschen Mann eine Almhütte in Österreich auf 1630 Metern führt – und das mit drei kleinen Kindern. Diese Tatsache sorgt regelmäßig für Bewunderung und Verwunderung zugleich, und ich denke manchmal auch Neid. Sowas traut sich nicht jeder. Viele Gäste schwärmen oft davon: „Oh, das würde ich auch so gerne mal machen, wenn ich in Pension gehe.“ Aber ich frage mich dann, warum nicht jetzt?

Viele Gäste fragen mich ob diese drei Kinder zu mir gehören. Ja natürlich! Sie kommen nicht von der Nachbarin, die ich hier oben übrigens gar nicht habe. Manchmal sagen die Leute wirklich aufrichtig, dass sie es bewundernswert finden, dass ich die Hütte mit drei Kindern führen kann. Tatsächlich haben wir jetzt mehr Personal auf der Hütte als in den ersten beiden Saisonen, aber das ist auch logisch mit drei kleinen Kindern. Und dann wird noch angemerkt, dass ich so schlank bin. Nun, auf der Terrasse rumrennen, Betten beziehen, die Treppe in der Hütte auf und ab, Stress (ich habe schon mal eine schlaflose Nacht gehabt: die Gäste schliefen in unserem Schlafzimmer da ich eine Überbuchung hatte) und hinter den Kindern herrennen, das hält mich fit. Ich sage den Gästen immer, dass die Hütte und meine Kinder für ausreichend Bewegung sorgen – ein Fitnessstudio brauche ich nicht.

Ich kehre dem Tal jeden Sommer und Winter den Rücken zu, bald zum 9. Mal. Keine Stadt, keine Geschäfte, kein Fernseher, keine Unterhaltung und nur ganz wenig Verkehr. Unsere Kinder können sicher draußen auf der grünen Alm spielen, zwischen den blühenden Blumen und umgeben von Kühen. Unsere Gäste sind für sie ein beliebtes Publikum – Wanderer, die gut gelaunt sind, da sie einen Ausflug auf die Alm machen und die ganze Schönheit der Natur genießen. Ich habe keinen geregelten Arbeitstag von 9-5. Ich bin selbständig und lange Tage sind eher die Regel als die Ausnahme, aber ich kann mich nicht beschweren.

Auf meinem Blog nehme ich dich mit in meinen außergewöhnlichen Alltag.

Nicht immer gemütlich, aber glücklich.