Geschichten aus dem Alltag einer Hüttenwirtin
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Tipps für Hüttenwirtsleute

 

BLOG III: Start Sommersaison 2019

 

Die Sommersaison hat bei uns angefangen auf der Grazerhütte, Tauplitzalm.

Ich liebe die Sommersaison, mehr noch wie die Wintersaison. Es ist wunderschön einzuschlafen - schauend auf die Alm, kein Mensch weit und breit – und am frühen Morgen durch das Läuten der Kuhglocken aufzuwachen und den Sonnenaufgang zu erleben. Unsere Kinder, die rundum der Hütte mit Steinen und Holz und al dem was ein Kind im Hüttenumfeld entdeckt, spielen. (Fast) Keine Autos. Tagsüber die Gäste bewirten, ins Gespräch kommen, dafür sorgen das alles läuft. Die Ruhe heroben, die wunderbare Natur mit ihrer Flora und Fauna und… diesen Sommer der Schnee.

Seit Ende Mai hatten wir einige Hausgäste. Mein Mann hat 10 paar Schneeschuhe organisiert, damit die Gäste „wandern“ gehen können. Einige Gäste hatten sogar die ganze Skitour Ausrüstung dabei. Nach ihrer Wanderung liegend auf unserer Sonnenterrasse, die Sonne genießen mit einem kühlen Getränk und am Abend werden Spiele gespielt. Bloß nicht immer die Handys dabei.

Leider mussten wir feststellen, dass die Sommersaison für uns zu früh angefangen hat. Wir haben einige Stornierungen oder Gäste, die ihren Aufenthalt verschieben möchten. Sie möchten gerne die 6-Seen-Wanderung wandern, aber das ist derzeit noch nicht möglich. Wir verstehen das. Gäste fragen uns wie es heroben aussieht. Ich bekomme jetzt schon E-Mails von unseren Gästen, die z.B. fragen wie es mit Wandern am 22. Juni aussieht! Das ist noch weit weg, aber bis dahin kann man sicher überall wandern, soweit ich das anhand der jetzigen Temperaturen von heroben beurteilen kann.

Die richtige Hüttensaison wird sich jedenfalls um ein paar Wochen verzögern. Ich denke dabei an andere höher gelegene Hütten, die durch die Schneelage noch gar nicht öffnen können. Eine Katastrophe für die Hüttenwirte: Reparaturen, die nicht durchgeführt werden können und eine Terminplanung für Lieferungen, die nicht eingehalten werden kann. Personal, das man mitteilen muss, dass die Saison später anfängt oder im schlimmsten Fall absagen muss. Fixkosten, die weiterlaufen ohne Einnahmen und dann damit rechnen, dass es ein Ansturm auf die Berge gibt, sobald das Wetter es zulässt. Ist jede Hütte darauf vorbereitet… Bei uns ist der Sommerkalender mit Nächtigungen voller wie je zuvor! Die Berge boomen!

Wir haben entschieden ein paar Tage zu schließen und erst wieder am 13. Juni zu öffnen. Hoffentlich können die Ski dann Zuhause bleiben!

BLOG II: Immer Sonnenschein auf der Alm ! 

Bei schlechtem Wetter im Sommer ist morgens mit Anrufen zu rechnen. Leute, die eine Nacht auf der Hütte gebucht haben, sagen bei Regen oder kaltem Wetter ab. Wenn man einen Urlaub auf Mallorca gebucht hat, fährt man doch trotzdem hin, auch wenn es regnet oder kalt ist? Man hat es doch geplant (und alles schon bezahlt)? Bei einer Hotelreservierung muss man standardmäßig im Voraus bezahlen oder die Kreditkartendaten übermitteln. Da kann man auch nicht kostenlos am Vortag der Anreise anrufen, um zu sagen, dass man Aufgrund von starkem regnen, kälte oder starkem Wind nicht anreisen kann

Die Leute wünschen sich im Urlaub auf der Alm immer schönes Wetter und erwarten, dass sie bei schlechtem Wetter kostenlos stornieren können. Sie scheinen zu denken, dass das bei einer Almhütte kein Problem ist…

Nach der ersten Sommersaison haben wir schnell festgestellt, dass wir bei jeder Reservierung standardmäßig eine Anzahlung verlangen müssen. Es geht bei uns nur um einen kleinen Betrag in Höhe von € 50,- oder € 100,-. Aber egal ob Anzahlung oder nicht, bei schlechtem Wetter wird regelmäßig storniert.

Am Wochenende vom 18. und 19. August 2017 haben alle Gäste storniert (mit oder ohne Anzahlung) – nur zwei Gäste, die eine Anzahlung geleistet hatten, sind aufgetaucht. Das alles nur weil der Samstag verregnet war. Bemerkenswert, denn die Hütte wäre sonst mehr als die Hälfte voll gewesen.

Die Leute verstehen meistens nicht, dass wir auch Fixkosten haben: Personal, Pacht, Strom, Gas, Wasser, Licht. Diese Kosten haben wir immer, egal ob wir Gäste haben oder nicht. Die Logistik unserer Hütte ist komplex, wir haben keinen Supermarkt in der Nähe und das Personal lebt die ganze Saison über bei uns auf der Hütte und bekommt sowohl bei schlechtem als auch bei schönem Wetter ein fixes Gehalt.

Unsere Stornobedingungen sind die allgemeinen Stornobedingungen der österreichischen Hotellerie.

Ein Gast schickte mir im August 2016 folgendes:

„Hallo Laura,

hab mir jetzt nochmals die Stornobedingungen durchgelesen, und muss sagen, sie sind sehr streng gefasst. Ich verstehe natürlich, dass ihr Euch absichern wollt, aber die Stornobedingungen der österreichischen Hotellerie kann ich verstehen, wenn ich im Hotel bin. Für eine Berghütte, wo ich bei Schlechtwetter nichts unternehmen kann und nur in der Hütte sitzen kann, kann ich sie nicht nachvollziehen.“

Huch!? Was kann dieser Herr im Hotel unternehmen, was bei uns nicht möglich ist? Der Betreffende hat auf der Hütte die gleichen Möglichkeiten wie im Hotel, es sei denn er hat ein 5-Sterne-Wellnesshotel gebucht.

Eine weitere nette E-Mail, die wir im Sommer 2015 erhalten haben:

„Liebe Frau Münzberg!

Nun soll das Wetter genau an den drei Tagen, an denen ich eine schöne Zeit mit den Kindern in den Bergen verbringen will, beschi…. werden. Sagt zumindest Bergfex.at. Frage: Könnten wir umbuchen auf die Folgetage? Also ANKUNFT am Mittwoch, 19. August und Abreise am Freitag, 21. August? Oder sind da die beiden Doppelzimmer schon belegt? JAMMER!!!! Ich ärgere mich so. Die ganze Zeit schwitzen wir wie in der Sahara, und ausgerechnet dann, wenn ich für ein paar Tage Urlaub machen will, wird das Wetter eine Zumutung. Dabei wollte ich den Kindern eine schöne Zeit gönnen, mein Mann und ich haben uns grad getrennt. Das ist doch jetzt echt mieses Karma. Sie haben ja Erfahrung, sie leben dort. Wie – glauben sie – wird das Wetter wirklich? Können wir mit den Kindern wandern gehen? Mit ziemlich verzweifelten Grüßen aus dem 38 Grad heißen (..) (das ist doch alles ein schlechter Witz, oder???).“

Danke für die Nachricht - das ist der Segen oder das Leid unserer Informationsflut. Es gab einmal einen klugen Menschen der gesagt hat: "Herr gib mir die Kraft Dinge zu verändern die ich zu Ändern im Stande bin, gib mir die Gelassenheit Dinge zu akzeptieren die ich nicht ändern kann und Herr, gib mir die Weisheit das Eine vom Andern zu unterscheiden. Damit will ich sagen dass auf 1630 müNN solche bergfexcharts heroben in der Realität schon ohne einen einzigen Tropfen blieben.

Heute trüben wir uns manchmal diese Vorfreude auf einen Urlaub aufgrund einer 9 Tagesprognose aus dem Internet ein und sind so gestresst es könnte nicht perfekt werden obwohl das nur eine Prognose ist die mit x Prozent sowieso nicht der Realität entspricht. Ich hatte bei Regenwetter schon die tollsten Kissenschlachten, Spieleabende und Rotweingespräche auf unsere Hütte oder als Kind im Matsch bis zu den Knien die größte Freude.

Ich sage immer, wenn ich das Wetter vorhersagen könnte, würde ich als Meteorologe im Fernsehen arbeiten. Für jeden Gast wünsche ich mir, dass die Sonne scheint und er auf der Terrasse frühstücken kann, aber das ist leider nicht immer möglich. Ich würde mir etwas mehr Verständnis dafür wünschen, dass die Sonne auf der Alm nicht immer scheint und ich sie nicht herzaubern kann, genauso wie es im Tal auch manchmal regnet.

PS Mit die Gäste ist alles gut verlaufen, kaum regen und die Kinder hatten eine wunderbare Hüttenerlebnis bei uns !


BLOG I: Alles, außer gewöhnlich

Wie bist du hier gelandet? Fühlst du dich als Flachländer in den Bergen wohl? Bist du Schweizerin/Dänin/Deutsche? Bist du das Au-pair-Mädchen? Ist das dein Sommerjob? Oh, du bist bestimmt der Liebe wegen hergekommen?“ Alles Fragen, die mir in den letzten Jahren gestellt wurden. Es ist wohl etwas Besonderes, dass eine Niederländerin zusammen mit ihrem deutschen Mann eine Almhütte in Österreich auf 1630 Metern führt – und das mit drei kleinen Kindern. Diese Tatsache sorgt regelmäßig für Bewunderung und Verwunderung zugleich, und ich denke manchmal auch Neid. Sowas traut sich nicht jeder. Viele Gäste schwärmen oft davon: „Oh, das würde ich auch so gerne mal machen, wenn ich in Pension gehe.“ Aber ich frage mich dann, warum nicht jetzt?

Viele Gäste fragen mich ob diese drei Kinder zu mir gehören. Ja natürlich! Sie kommen nicht von der Nachbarin, die ich hier oben übrigens gar nicht habe. Manchmal sagen die Leute wirklich aufrichtig, dass sie es bewundernswert finden, dass ich die Hütte mit drei Kindern führen kann. Tatsächlich haben wir jetzt mehr Personal auf der Hütte als in den ersten beiden Saisonen, aber das ist auch logisch mit drei kleinen Kindern. Und dann wird noch angemerkt, dass ich so schlank bin. Nun, auf der Terrasse rumrennen, Betten beziehen, die Treppe in der Hütte auf und ab, Stress (ich habe schon mal eine schlaflose Nacht gehabt: die Gäste schliefen in unserem Schlafzimmer da ich eine Überbuchung hatte) und hinter den Kindern herrennen, das hält mich fit. Ich sage den Gästen immer, dass die Hütte und meine Kinder für ausreichend Bewegung sorgen – ein Fitnessstudio brauche ich nicht.

Ich kehre dem Tal jeden Sommer und Winter den Rücken zu, bald zum 9. Mal. Keine Stadt, keine Geschäfte, kein Fernseher, keine Unterhaltung und nur ganz wenig Verkehr. Unsere Kinder können sicher draußen auf der grünen Alm spielen, zwischen den blühenden Blumen und umgeben von Kühen. Unsere Gäste sind für sie ein beliebtes Publikum – Wanderer, die gut gelaunt sind, da sie einen Ausflug auf die Alm machen und die ganze Schönheit der Natur genießen. Ich habe keinen geregelten Arbeitstag von 9-5. Ich bin selbständig und lange Tage sind eher die Regel als die Ausnahme, aber ich kann mich nicht beschweren.

Auf meinem Blog nehme ich dich mit in meinen außergewöhnlichen Alltag.

Nicht immer gemütlich, aber glücklich.